Organisationsethnologie - was ist das?
Ethnologie ist die Wissenschaft vom menschlichen Verhalten. Sie beschäftigt sich damit, wie Menschen Kultur gestalten und von ihr gestaltet werden, wie sie miteinander umgehen und wie sie zu dem geworden sind, was sie sind. Damit ist sie die Sozialwissenschaft, mit der umfassensten Perspektive auf den Menschen.
Sie unterscheidet sich darüber hinaus durch ihre theoretisch-methodische Ansätze:
Ethnologie ist eine Beobachtungswissenschaft.
Ethnologen ziehen es vor, die Menschen, die sie verstehen wollen, persönlich kennen zu lernen und ihre Lebensumstände möglichst vollständig mitzuerleben. Im Mittelpunkt der ethnologischen Forschung steht die persönliche Begegnung. Vorgefertigte Fragebögen oder statistische Erhebungen liefern dabei vor allem die notwendigen Kontextdaten, sind aber unzureichend für das fundierte Verstehen von Organisationskultur. Vielmehr besteht die ethnologische Forschung vor allem in möglichst intensivem Zuhören, Beobachten und Einlassen auf die Lebenswelt des Gegenübers. Ethnologische Forschung verlangt vom Forscher immer wieder, sich auf das Wagnis eines Blickwechsels einzulassen und die Welt mit den Augen des Anderen zu betrachten. Dies setzt nicht nur eine fundierte Ausbildung voraus, sondern erfordert auch die Fähigkeit, möglichst wenig vorgefertigte Erklärungsschemata mitzubringen. Nur so lassen sich zutreffende Forschungsergebnisse über menschliches Verhalten erzielen.
Genau dies ist die Stärke der organisationsethnologischen Forschung: Es können in erstaunlich kurzer Zeit mit diesem Verfahren sehr exakte Analysen geliefert werden, die zu einer zielgenauen und höchst effizienten Optimierung des Potentials eines Unternehmens führen. Seit etwa dreissig Jahren untersuchen und beraten Organisationsethnologen mit erstaunlich großem Erfolg - bislang vor allem in den USA -Organisationen, Unternehmen, Institutionen.
Was unterscheidet organisationsethnologische Unternehmens- und Personalentwicklung von anderen Ansätzen?
In der Organisationsethnologie geht man davon aus, daß Menschen sich in unterschiedlichen kulturellen Kontexten unterschiedlich verhalten. Unternehmen haben stets eine eigene Kultur, die das Verhalten ihrer Mitarbeiter prägt. Organisationsethnologen sind über Jahre in intensiver Feldforschung und deren Analyse ausgebildet. Diese ebenso aufwendige wie intensive Ausbildung ermöglicht es ihnen, mithilfe qualitativer Interviews und teilnehmender Beobachtung sehr schnell ein erstaunlich exaktes und realistisches Bild von der Situation eines Unternehmens bzw. einer Abteilung zu erhalten (vgl. Alvesson, 2000).
Das Besonderere an unserer Art der Personal- und Organisationsentwicklung ist, dass wir diesen innovativen Ansatz der Organisationsethnologie mit unserem konkreten Handwerkszeug der Personalentwicklung verbinden und damit nicht nur eine Analyse, sondern auch die Begleitung bei der praktischen Umsetzung der daraus erfolgenden Konsequenzen anbieten. So ermöglichen wir einen Blickwechsel in Ihrem Unternehmen.
Literatur zur Organisationsethnologie:
Alvesson, Mats und Stanley Deetz 2000: Doing Critical Management Research. London, Sage Publ.
Ashkanasy, Neal M., Celeste P.M. Wilderom und Mark F. Petersen (Hg.) 2000: Handbook Of Organizational Culture and Climate. London, Sage Publ.
Gellner, David N. und Eric Hirsch (Hg.) Oxford 2001: Inside Organizations. Berg .
Hofstede, Geert H. und Geert Jan Hofstede 2004: Cultures and Organizations: Software for the Mind. New York, McGraw Hill Pbl.
Jones, Michael Owen et al. (Hrsg.): Inside Organizations, Understämnding Human Dimension. London, Sage Publ..
Jordan, Ann 2003: Business Anthropology. Prospect Heights, Long Grove, IL:Waveland Press.
Helmers, Sabine 1993: Beiträge zur Unternehmenskulturforschung. In: Meinolf Dierkes, Lutz v. Rosenthal, Ulrich Steger Hg.: Unternehmenskultur aus Ökonomie, Psychologie und Ethnologie. Frankfurt a.M., S. 147-187.
Martin, Joanne 1992: Cultures in Organizations. Three Perspectives. New York/Boston.2009 Organisationsethnologische Forschung und Beratung: Neue Perspektiven in der Unternehmensberatung. In: Bettina Beer, Sabine Klocke-Daffa und Christina Lütkes (Hg.): Berufsorientierung für Kulturwissenschaftler. Erfahrungsberichte und Zukunftsperspektiven. Berlin.
Spülbeck, Susanne 2009: Organisationsethnologische Forschung und Beratung: Neue Perspektiven in der Unternehmensberatung. In: Bettina Beer, Sabine Klocke-Daffa und Christina Lütkes (Hg.): Berufsorientierung für Kulturwissenschaftler. Erfahrungsberichte und Zukunftsperspektiven. Berlin.
Schwinge, Brigitte und Susanne Spülbeck 2002: Unternehmenskultur und Organisationsethnologie – Warum Ethnologen in der Organisationsentwicklung so erfolgreich sind. Ethnoscripts, Analysen und Informationen aus dem Institut für Ethnologie der Universität Hamburg. Hamburg, S. 95-105.
Spülbeck, Susanne 2001: Begegnung statt Dialog: die Einbeziehung der Körpersprache in die Methodik der Feldforschung. In: Katharina Eisch und Marion Hamm (Hg.): Die Poesie des Feldes. Beiträge zur ethnographischen Kulturanalyse. Festschrift zum 60. Geburtstag von Utz Jeggle. Untersuchungen des Ludwig Uhland Instituts der Universität, Bd.93, Tübingen.
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